Zum Inhalt springen
Anrufen +49 40 88192642 E-Mail schreiben [email protected] In Teams chatten [email protected]
← Alle Artikel ·Infrastruktur · ·7 Min. Lesezeit

Proxmox im Unternehmen: warum ich neue Server damit virtualisiere

Proxmox VE ist mein Standard für neue Virtualisierungen in kleinen und mittleren Unternehmen. Wie der Umstieg von VMware oder Hyper-V abläuft, wie ich die Datensicherung in zwei Stufen einrichte, was bei Windows Server gilt und wann ich bei der bestehenden Plattform bleibe.

Virtualisierter Server mit lokaler Sicherung und getrennter Kopie im Rechenzentrum

Wenn bei einem Kunden neue Server anstehen, plane ich die Virtualisierung heute in aller Regel mit Proxmox VE. Das gilt für Neuanschaffungen ebenso wie für Umgebungen, die bisher unter VMware oder Hyper-V liefen. Hier steht, warum ich so entscheide, wie ich Datensicherung und Ausfallsicherheit plane, was bei Windows Server zu beachten ist und in welchen Fällen ich trotzdem bei der bestehenden Plattform bleibe. Grundlage sind Projekte aus den Jahren 2024 und 2025.

Warum Proxmox mein Standard geworden ist

Proxmox VE ist eine quelloffene Virtualisierungsplattform auf Debian-Basis. Sie verwaltet virtuelle Maschinen und Container über eine Weboberfläche, bringt Clusterfunktionen, Hochverfügbarkeit und eine eigene Backup-Lösung mit. Für die Umgebungen, die ich betreue, also typischerweise ein bis drei Hosts mit Domänencontroller, Dateidiensten, Fachanwendungen und einer Handvoll weiterer Server, deckt das alles ab, was gebraucht wird.

Ausschlaggebend sind für mich drei Punkte. Die Plattform ist für kleine Umgebungen wirtschaftlich, auch nachdem VMware sein Lizenzmodell umgestellt hat. Sie ist offen dokumentiert, sodass auch ein anderer Dienstleister oder Ihre interne IT damit weiterarbeiten kann. Und Virtualisierung und Datensicherung kommen aus demselben Umfeld und greifen sauber ineinander.

Umstieg von VMware oder Hyper-V

Beide Wege habe ich bei Kunden bereits umgesetzt. Seit Version 8.2 enthält Proxmox VE einen Import-Assistenten, der virtuelle Maschinen direkt von einem ESXi-Host übernimmt und die Konfiguration weitgehend überträgt. Hyper-V-Maschinen werden über ihre Festplattendateien konvertiert und importiert. In beiden Fällen ist die Übernahme selbst selten der aufwendige Teil.

Aufwand entsteht bei der Vorbereitung. Windows-Systeme brauchen die VirtIO-Treiber, damit Festplatten und Netzwerk mit voller Leistung laufen. Lizenzen, die an Hardwaremerkmale gebunden sind, müssen unter Umständen neu aktiviert werden. Und für jede Maschine kläre ich vorher, wie lange sie stehen darf und in welcher Reihenfolge die Dienste wieder anlaufen müssen.

Vor dem Umstieg

Bestandsaufnahme aller Maschinen, Abhängigkeiten und Lizenzen. Absprache mit den Herstellern von Fachsoftware, wo nötig. Ein Ablaufplan mit Zeiten und ein Rückweg, falls etwas nicht wie geplant läuft.

Während des Umstiegs

Übernahme der Maschinen außerhalb der Kernarbeitszeit, Treiber und Gastwerkzeuge installieren, Dienste der Reihe nach prüfen. Die alte Umgebung bleibt so lange startbereit, bis alles läuft.

Nach dem Umstieg

Datensicherung einrichten und eine Wiederherstellung testen, Überwachung anbinden, Dokumentation übergeben. Erst dann wird die alte Plattform abgeschaltet.

Einzelner Host oder Cluster?

Das hängt davon ab, wie lange ein Ausfall dauern darf. Ein einzelner Host mit guter Datensicherung reicht für viele kleine Unternehmen aus: Fällt er aus, werden die Maschinen aus der Sicherung wiederhergestellt. Wo das zu lange dauert, setze ich Proxmox als Cluster aus mehreren Hosts ein. Virtuelle Maschinen lassen sich dann im laufenden Betrieb verschieben, etwa für Wartungsarbeiten, und bei einem Hardwaredefekt auf einem anderen Host neu starten.

Für ein Cluster mit automatischer Hochverfügbarkeit empfiehlt Proxmox mindestens drei Knoten, damit die Mehrheitsentscheidung auch beim Ausfall eines Hosts funktioniert. Bei zwei Hosts übernimmt ein kleines zusätzliches Gerät diese dritte Stimme.

Datensicherung in zwei Stufen

Für die Sicherung nutze ich den Proxmox Backup Server. Die erste Stufe liegt bei mir bewusst nah am Host: Die nächtliche Sicherung läuft lokal, ist dadurch sehr schnell fertig und belastet den Server kaum. Weil der Backup Server nur geänderte Datenblöcke speichert, bleibt auch der Speicherbedarf überschaubar.

Eine lokale Sicherung allein schützt aber nicht vor einem Hardwaredefekt, einem Brand oder einem Angriff, der den Host erreicht. Deshalb wird jede Sicherung in einer zweiten Stufe auf einen externen Speicher oder einen zweiten Backup Server übertragen. Diese Synchronisation darf ruhig im Laufe des folgenden Tages stattfinden, auch während der Geschäftszeiten. Die Bandbreite begrenze ich dabei pro Synchronisationsauftrag, sodass niemand im Büro etwas davon merkt.

Für die Kopie außer Haus biete ich eine verwaltete Datensicherung auf eigenen Servern in deutschen Rechenzentren an. Diese Kopie ist vom Netz des Kunden getrennt, und die Rechte sind in beide Richtungen begrenzt. Das Sicherungssystem im Rechenzentrum holt sich die Daten selbst ab und hat im Kundennetz nur Leserechte. Umgekehrt hat das Kundensystem im Sicherungssystem keine Schreibrechte. Wird eine der beiden Seiten kompromittiert, kann sie auf der anderen keine Daten verändern, löschen oder verschlüsseln.

Windows Server auf Proxmox

Diese Frage kommt fast immer. Die kurze Antwort: Windows Server läuft auf Proxmox, und bei meinen Kunden läuft es so ohne Einschränkungen.

  • Lizenzierung: Windows Server Standard und Datacenter werden nach den physischen Kernen des Hosts lizenziert, unabhängig davon, welche Virtualisierung darauf läuft. Pro Server sind mindestens 16 Kernlizenzen nötig. Die Standard-Edition erlaubt zwei virtuelle Windows-Server auf einem vollständig lizenzierten Host. Wer Maschinen in einem Cluster zwischen Hosts verschiebt, sollte vorher klären, welche Hosts dafür lizenziert sein müssen.
  • Support: Proxmox gehört nicht zu den Plattformen, mit denen Microsoft eine gemeinsame Supportvereinbarung hat. Microsoft testet seine Software dort nicht offiziell. Kunden mit Premier-Support hilft Microsoft trotzdem, kann aber verlangen, dass ein Fehler zunächst unter Hyper-V oder auf physischer Hardware nachgestellt wird. Für kleine Umgebungen ohne solchen Vertrag spielt das selten eine Rolle, ich weise aber vorher darauf hin.
  • Technik: VirtIO-Treiber, der QEMU-Gastagent und passende Einstellungen für Prozessor und Festplatten gehören zur Grundeinrichtung. Proxmox dokumentiert dafür eigene Empfehlungen für Windows-Gäste.

Wann ich bei der bestehenden Plattform bleibe

Das kommt selten vor, aber es kommt vor. Hat ein Unternehmen eine interne IT, die täglich mit VMware oder Hyper-V arbeitet und die Umgebung sicher im Griff hat, wiegt dieses Wissen oft schwerer als die Vorteile eines Wechsels. Eine Plattform, die das eigene Team nicht kennt, ist im Ernstfall die schlechtere Wahl. In solchen Fällen empfehle ich, zu bleiben, und kümmere mich stattdessen um Datensicherung, Aktualität und Dokumentation.

Quellen