Zum Inhalt springen
Anrufen +49 40 88192642 E-Mail schreiben [email protected] In Teams chatten [email protected]
← Alle Artikel ·Infrastruktur · ·6 Min. Lesezeit

Serverumzug an einem Tag: Warum die Vorbereitung länger dauert als der Umzug

Neuer Server, neue Domäne, alle Arbeitsplätze umgestellt und am nächsten Morgen normal weitergearbeitet. Was vorher passieren muss, wie Ablauf- und Rückfallplan aussehen und wo die Zeit wirklich hingeht.

Serverumzug: Daten wandern vom alten auf den neuen Server, die Arbeitsplätze sind angebunden

Ein neuer Server, eine neue Domäne und alle Arbeitsplätze umgestellt, und am nächsten Morgen arbeiten die Mitarbeitenden ganz normal weiter. Das klappt an einem einzigen Tag, wenn der Umzugstag selbst nur noch das Abarbeiten eines Plans ist. Hier steht, was vorher passieren muss, wie ein Ablaufplan aussieht und wo die Zeit tatsächlich hingeht.

Die Ausgangslage

Der Anlass ist meistens derselbe: Ein Server hat das Ende seiner Lebensdauer erreicht, das Betriebssystem bekommt keine Updates mehr, und über die Jahre sind Freigaben, Berechtigungen und Anwendungen gewachsen, ohne dass jemand den Überblick behalten hat. In dem Projekt Anfang 2025, auf dem dieser Artikel beruht, kamen mehrere Branchenanwendungen dazu, die auf dem alten Server liefen und mit umziehen mussten.

Das Ziel war ein neuer Virtualisierungshost mit einem frisch eingerichteten Active Directory, und zwar so, dass alle Arbeitsplätze am Ende des Tages Mitglied der neuen Domäne sind und die Mitarbeitenden am nächsten Morgen ihre Daten, Laufwerke, Drucker und Programme wie gewohnt vorfinden.

Was vor dem Umzugstag passiert

Die eigentliche Arbeit liegt Wochen vor dem Termin. Ich teile sie in vier Bereiche:

Bestandsaufnahme

Welche Dienste laufen auf dem alten Server, welche Freigaben gibt es, wer greift worauf zu, welche Drucker und Anwendungen hängen daran? Was hier fehlt, fällt am Umzugstag auf, und dann ist keine Zeit mehr dafür.

Verzeichnisdienst prüfen

Struktur des Active Directory und Gruppenrichtlinien sehe ich mir vorab genau an. Was übernommen wird, was neu geordnet wird und welche Berechtigungsgruppen es künftig gibt, steht fest, bevor der erste Arbeitsplatz umgestellt wird.

Hersteller einbinden

Branchensoftware zieht selten ohne den Hersteller um. Mit den Herstellern stimme ich vorher ab, was sie für den Umzug brauchen, und halte das in einer Checkliste fest: Datenbank, Lizenz, Pfade, Termin für die Freischaltung.

Neuen Server fertig einrichten

Virtualisierung, Domänencontroller, DNS, Freigaben, Gruppenrichtlinien und die Netzwerkeinstellungen auf der Firewall sind vor dem Umzugstag eingerichtet und getestet. Am Umzugstag wird nichts mehr zum ersten Mal gemacht.

Der Ablaufplan

Für den Umzugstag schreibe ich einen Plan mit Uhrzeiten. Er beantwortet für jeden Schritt, wann er beginnt, wie lange er dauern darf und was als Nächstes passiert. Grob folgt er dieser Reihenfolge:

  1. Letzte vollständige Sicherung des alten Servers und Stopp aller Schreibzugriffe.
  2. Übernahme der restlichen Daten auf den neuen Server.
  3. Umzug der Branchenanwendungen, bei Bedarf gemeinsam mit dem Hersteller.
  4. Aufnahme der Arbeitsplätze in die neue Domäne, Arbeitsplatz für Arbeitsplatz, mit Übernahme der Benutzerkonten.
  5. Prüfung an jedem Arbeitsplatz: Anmeldung, Laufwerke, Drucker, Anwendungen.
  6. Abschlusstest der Anwendungen mit echten Daten.

Zwischen den Schritten stehen Entscheidungspunkte. Wenn ein Schritt deutlich länger dauert als geplant, ist vorher festgelegt, ob weitergemacht oder zurückgerollt wird.

Der Rückfallplan

Der alte Server bleibt unverändert und startbereit, bis der neue nachweislich läuft. Falls eine Anwendung nicht startet oder Daten fehlen, lässt sich der alte Zustand wiederherstellen, und am nächsten Morgen wird wie bisher gearbeitet. Einen solchen Plan braucht man hoffentlich nicht. Ihn zu haben, macht den Tag aber deutlich ruhiger, weil nicht jede Entscheidung unter Zeitdruck fallen muss.

Der Tag selbst

In diesem Projekt war ich rund 13 Stunden vor Ort. Den größten Teil davon nahmen die Arbeitsplätze ein: Jeder Rechner wurde in die neue Domäne aufgenommen, die Benutzerkonten wurden übernommen, anschließend habe ich Laufwerke, Drucker und Anwendungen geprüft. Das ist keine anspruchsvolle Arbeit, aber sie summiert sich, und sie lässt sich nur begrenzt beschleunigen.

Am nächsten Morgen war ich vor Arbeitsbeginn wieder im Haus. Die ersten Anmeldungen zeigen, ob irgendwo etwas fehlt, und kleine Fragen lassen sich direkt am Arbeitsplatz klären, bevor sie zu einem Ticketstau werden. Die Mitarbeitenden konnten normal arbeiten.

Wo die Zeit wirklich hingeht

In die Planung. Konzept, Bestandsaufnahme und Abstimmung mit Herstellern und Mitarbeitenden brauchen viel Zeit. Diese Zeit sollte man sich nehmen. Jede Stunde, die hier fehlt, kostet am Umzugstag ein Vielfaches.

In die Datenübertragung. Große Datenmengen brauchen länger, als die Rechnung auf dem Papier vermuten lässt. Das gilt besonders, wenn ein Teil der Daten in die Cloud wandert, etwa nach SharePoint. Dort hängt die Geschwindigkeit von der eigenen Leitung ab und ebenso von Anzahl und Größe der Dateien. Große Datenbestände sollten deshalb vor dem Umzugstag übertragen werden, damit am Tag selbst nur noch Änderungen folgen.

Was ich beim nächsten Mal anders mache

Mehr Puffer einplanen. Der Tag hat funktioniert, aber er war lang. Jeder Schritt, der etwas länger dauert als geschätzt, schiebt alle folgenden nach hinten, und am Ende des Plans stehen die Tests, bei denen man am wenigsten hetzen möchte. Heute rechne ich den Puffer von Anfang an großzügiger ein und lege fest, welche Schritte notfalls auf den nächsten Tag verschoben werden können, ohne dass der Betrieb darunter leidet.

Checkliste für Ihren Umzug

  • Sind alle Dienste, Freigaben, Drucker und Anwendungen des alten Servers erfasst?
  • Wissen die Hersteller Ihrer Branchensoftware Bescheid, und ist geklärt, was sie am Umzugstag brauchen?
  • Ist der neue Server vollständig eingerichtet und getestet?
  • Gibt es einen Ablaufplan mit Uhrzeiten und festgelegten Entscheidungspunkten?
  • Bleibt der alte Server startbereit, bis alles läuft?
  • Sind große Datenmengen vorab übertragen?
  • Wissen die Mitarbeitenden, was sich für sie ändert und wen sie am nächsten Morgen fragen können?

Quellen